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Originalgrafik oder Reproduktion? Vorsicht - Falle!

Nützliche Tipps zum Grafikkauf im Internet

Der Kauf von Original(!)-Druckgrafik bekannter Künstler über das Internet ist ein heikles Thema, das selbst für Experten so manche Tücken und Fallstricke bereit hält. Auf den einschlägigen Auktionsplattformen und "anderswo im Internet" müssen Sie sich im Wesentlichen auf den Wahrheitsgehalt der gemachten Angaben verlassen können. Deshalb halten wir Transparenz und umfassende Information für den besten Schutz vor Fehlkäufen.

Das Schlimmste zuerst:
Die meisten dort angebotenen "Originaldrucke" sind Reproduktionen, also Kunstdrucke!

Um deutlich zu machen, worum es geht, hier ein Beispiel zu einem der beliebtesten Werke der Druckgrafik Chagalls, seinem "Paradies" mit dem grünen Esel. Seien wir ehrlich: wüssten Sie, welche der 3 Grafiken die Original-Lithographie ist, wenn es nicht dabei stünde? Oder wenn das Verkaufsangebot lediglich lautete:

»Prächtige Chagall-Lithographie aus einer streng limitierten Luxusedition, selten!«

Wie Sie bemerkt haben, geht es hier um einen der häufigen Fälle, in denen der Künstler eine Original-Lithographie gearbeitet hat, die dann später mittels photomechanischer oder anderer Reproduktionstechniken kopiert wurde.

Es exisitiert in diesem Fall also beides: der originalgrafische Steindruck (die Original-Lithographie), als auch die reproduzierte Kopie, meist als Grano-Lithographie, Chromo-Lithographie oder Foto-Lithographie vervielfältigt. Auf den ersten Blick - und gerade auch auf Fotos im Internet - sehen alle 3 Grafiken mehr oder weniger gleich aus. Besonders irritierend in diesem Fall: auch in der Realität haben alle 3 Bilder die gleiche Größe, d.h., die Abmessungen der Darstellungen sind identisch.

Nun stellen Sie sich vor, Sie stoßen im Internet auf das mittlere oder rechte Bild, zusammen mit dem oben zitierten Satz - würden Sie dann nicht auch denken 'Prima, hier bekomme ich die wertvolle Lithographie, die ich kürzlich in einer Ausstellung gesehen habe, zum günstigen Preis'? Und wären damit auf eine Vorgehensweise hereingefallen, die durch den unpräzisen, oft schwammigen und inflationären Gebrauch des Wortes "Lithographie" bei Laien, aber auch unseriösen Händlern immer öfter zu beobachten ist.

Wer ein solches Angebot kauft und denkt, er habe etwas Wertvolles zum Schnäppchenpreis erworben, dem kann man eine gewisse Mitschuld leider nicht absprechen. Oder würden Sie bei einem Angebot, das Ihnen eine "Goldfarbene Halskette aus einer limitierten Luxusedition, selten!" verspricht, etwa auch denken, Sie kaufen ein Schmuckstück aus echtem Gold? Sicherlich nicht.

Ein erstes Fazit: So, wie das Wort "Schmuck" sowohl für ein echtes Schmuckstück, aber auch für Modeschmuck stehen kann, so kann der Begriff "Lithographie" für wertvolle Originalgrafiken, aber auch für Kopien (Kunstdrucke) stehen. Verkaufstexte sind ergo immer genauestens zu lesen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob es sich um eine Original-Lithographie (einen Steindruck) oder um eine lithographierte Reproduktion handelt, fragen Sie beim Anbieter nach und lassen Sie sich die Originalität schriftlich bestätigen.

 

Augen auf beim Kauf von Druckgrafik!

Wer die Grafikangebote auf Internetplattformen aufmerksam verfolgt, wird sich oft verwundert die Augen reiben: da lässt sich mit der Behauptung, dieser Druck sei ein "Original", ein erstaunlich hoher Preis erzielen - für etwas, das in Wahrheit die Kopie eines Originals mittels fotomechanischer Reproduktionstechnik (also ein Kunstdruck) ist. Fachleute schätzen, dass allein in Europa rund 1 Mio. Raubkopien von Original-Lithographien (illegale Nachdrucke) bedeutender Künstler wie Picasso, Dali, Chagall, Matisse, Warhol, Albers u.a. exisitieren[1], zusätzlich zu den legal hergestellten Kunstdrucken ("Reprints").

Schaut man sich solche Angebote genauer an - und im Internet lassen sich Tausende davon finden - kann man folgende Systematik entdecken:

Später hergestellte Kopien (Nachdrucke) eines wertvollen Originals, vom Rechteinhaber (meist Verwertungsgesellschaften) geschäftstüchtig "angereichert" mit Nummerierung ("Limitierte Auflage!") und von der Kopier-Industrie auf Bütten gedruckt, werden stets mit Bezug auf die ursprünglichen Originalwerke angeboten. Überfrachtete Artikelbeschreibungen sollen dabei die "Besonderheit" betonen, "Echtheitszertifikate", "Expertisen" und Referenzangaben (die sich natürlich auf das Originalbilder und nicht die angebotene Kopie beziehen) die Authentizität bzw. Originalität belegen. Parallel dazu wird rhetorisch getrickst, was das Zeug hält, oder schlicht gelogen, indem etwas als "Originale Lithographie" bezeichnet wird, das in Wahrheit nur das Foto von einem Original ist. Nur eine Original-Lithographie wird man im Werkverzeichnis des Künstlers finden - einen als Foto- oder Offset-Lithographie bezeichneten Kunstdruck suchen Sie dort vergeblich (s. auch unten bei "Checklist" unter "Lithographien").

Das eigentliche Problem daran: im Internet (und nur dort!) sehen beide Blätter - bspw. eine Original-Lithographie und ihre Kopie, also ein legal oder illegal hergesteller Kunstdruck - nahezu identisch aus. Verspricht der Verkäufer zudem ein "Echtheitszertifikat", greift der unerfahrene Grafikkäufer beruhigt zu. Und so wechseln regelmäßig Woche für Woche etliche "Originale" den Besitzer, die keine sind. So perfide es klingen mag: das Angebot eines vom Verkäufer selbst oder dessen Handlangern ausgestellten "Echtheitszertifikates" ist in den meisten Fällen ein sicheres Zeichen dafür, dass es sich nicht um eine Originalgrafik handelt. Keine seriöse Kunsthandlung und keines der renommierten Auktionshäuser verspricht für ein originalgrafisches Blatt ein anderes "Echtheitszertifikat" als die präzise(!) Angabe der Werkverzeichnis-Referenz - und das aus gutem Grund (s. unten in der Checklist).

Wichtig: heben Sie alle Unterlagen gut auf, in denen Ihnen "Originalität" zugesichert wurde (insbesondere auch die Rechnung) bzw. lassen Sie sich diese unbedingt vor dem Kauf schriftlich bestätigen - nur so haben Sie eine über Ihr Rückgaberecht hinausgehende Handhabe, um im Betrugsfall auch nach Jahren noch zu Ihrem Recht zu kommen!

Lesen Sie hierzu auch die Stellungnahme des Bundesverbandes Deutscher Galerien und des Arbeitskreises Deutscher Kunsthandelsverbände (ADK) zu einem der jüngsten Skandale, in dem es um angebliche "Original-Lithographien von Pablo Picasso" ging. /// Die vorgenannte Stellungnahme ist leider nicht mehr verfügbar.

 

Generell gilt: Je bekannter ein Künstler, desto VORSICHT!

Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad steigt die Gefahr, auf eine der zahllosen im Umlauf befindlichen Reproduktionen (Kunstdrucke) oder Grafiken mit gefälschten Signaturen hereinzufallen. Gehen Sie grundsätzlich davon aus, dass die große Mehrzahl dieser Drucke mit Motiven von Chagall, Picasso, Matisse, Dali, Miro, Warhol, Dix und anderer berühmter zeitgenössischer Künstler KEINE Originalgrafiken sind bzw. eine gefälschte oder lediglich gedruckte Signatur tragen.

Immer wieder machen spektakuläre Betrugsfälle deutlich, mit welcher Dreistigkeit und krimineller Energie Fälscher und Betrüger vorgehen: so wurden etwa 1992 in einer Lagerhalle 75.000 gefälschte Drucke "von" Dali, Miró, Picasso und Chagall im Wert von 1,8 Milliarden Dollar entdeckt - produziert im Auftrag eines bekannten New Yorker Verlegers. Solche Vorfälle zeigen auch, wie heikel und komplex der Kauf von Druckgraphik ist - solange man auf "Zertifikate (engl. "COA's"), Expertisen & Co." hereinfällt, statt sich kompromisslos an Werkverzeichnissen und Fachliteratur zu orientieren.

Anlässlich des 25. Todestages von Chagall berichtete die "Welt" im März 2010 über Machenschaften obskurer Händler, die ihre Ware insbesondere auf den bekannten Auktionsplattformen anbieten, stets angereichert mit Aussagen wie "durch Editeur limitierte und nummerierte Granolithographie in exquisiter Qualität auf feinstem Büttenpapier", natürlich immer incl. einer selbst verfassten "Expertise" oder eines "COA" (Certificate of Authenticity). Da diese Begriffe nicht geschützt sind, kann sich tatsächlich jeder als Experte ausgeben - und die "Echtheit" wovon auch immer bestätigen.

Im Folgenden haben wir eine Checklist für den Kauf von Originalgrafik zusammengestellt, deren Berücksichtigung einen Fehlkauf zwar nicht völlig ausschließt, seine Wahrscheinlichkeit jedoch deutlich reduzieren kann.

 

Definition "Originalgrafik":

Es gibt verschieden strenge Definitionen, wann es sich bei Druckgrafik um Originalgrafik* bzw. um Kunstdrucke / Reproduktionsgrafik handelt. Während in früheren Definitionen zwingende Bedingung war, dass nicht nur die künstlerische Leistung, sondern auch der Vervielfältigungsvorgang durch den Künstler selbst zu erfolgen hat, tragen zeitgemäße Definitionen dem Umstand Rechnung, dass sich kein Künstler heutzutage vorschreiben lässt, auf welche Weise er seine grafischen Arbeiten herstellen und vervielfältigen darf.

So haben sich auch bekannte Künstler aus Spaß am Experimentieren bspw. des Offsetdrucks bedient: Joan Miró z.B. übermalte höchstpersönlich Offsetabzüge zu Original-Lithographien, Horst Antes wiederum bearbeitete eigenhändig Offsetvorlagen (Zinkplatten, Folien, Gummigewebe) und erfand auf diese Weise die Offsetradierung (Offsetgravüre). Während solche Arbeiten zweifellos Originalgrafiken sind und deshalb auch im Werkverzeichnis des Künstlers stehen, ist die bloße (photo-)mechanische Übertragung eines existierenden Originals (Gemälde, Zeichnung, Collage oder Graphik) stets eine Reproduktion und somit keine Originalgrafik. Entsprechend lautet die zeitgemäße Definition für Originalgrafik:

"Ist eine Grafik(-auflage) die einzig existierende Realisierung eines künstlerischen Konzepts, also in keiner weiteren Technik existierend, handelt es sich um Original-Druckgrafik."

 

Checklist für den Kauf von Original(!)-Grafik:

Wenn Sie beim Kauf von Druckgrafik berühmter Künstler sichergehen wollen, ein Original statt einer Reproduktion zu erstehen, orientieren Sie sich also vor allem daran, ob eine Grafik im Werkverzeichnis des Künstlers aufgeführt ist. Bestehen Sie insbesondere bei bekannten Künstlern auf einer präzisen Angabe der Werkverzeichnis-Nummer - und glauben Sie nicht einfach jeder Nummer, sondern überprüfen Sie sie. Eine Grafik, die im Werkverzeichnis nicht vermerkt bzw. dort nur mit abweichenden Angaben aufgeführt ist, ist keine Originalgrafik! Hingegen sind Grafiken nicht sehr bekannter oder gerade erst auf sich aufmerksam machender Künstler fast immer echt - eine Fälschung oder Reproduktion würde sich nicht lohnen. Werkverzeichnisse sind hier oft (noch) nicht vorhanden bzw. erst im Entstehen begriffen.

Fehlt der Hinweis auf ein Werkverzeichnis, oder weicht das angebotene Blatt von den Angaben im Werkverzeichnis ab, fragen Sie den Verkäufer, welche Argumente er für die Echtheit des Blattes hat. Vergleichen Sie penibelst die Angaben zu den Abmessungen (Darstellungs- und Blattgröße), Auflagenhöhen und Datierungen, die Angaben zur Signatur und Nummerierung bzw. Bezeichnung sowie zur Papiersorte (Wasserzeichen). Jede Abweichung sollte Skepsis hervorrufen - dann haben Sie es höchstwahrscheinlich mit einer Reproduktion zu tun, die mit der ursprünglichen Originalarbeit nichts mehr gemein hat. Schon gar nicht deren Wert!

Nachstehend sind die gängigsten Tricks aufgeführt, mit denen man versucht, Ihnen Reproduktionsdrucke statt Originalgrafik als "echt" zu verkaufen.

Thema / Aussage:
Hinweis dazu:
Expertisen
Echtheitszertifikate
COA's
Kaufen Sie niemals eine Grafik nur wegen des in Aussicht gestellten "Echtheitszertifikates"! Expertisen, Zertifikate & Co. sind ein aus den USA eingeschlepptes Übel, die Kunstdrucken aus "Limited Editions" (s. dort) den Anschein von Originalität und Wert geben sollen - und die natürlich nie von einem "Experten" (einem vereidigten Kunstsachverständigen) ausgestellt wurden, sondern meist vom Verkäufer selbst bzw. dessen Handlangern. Das einzige seriöse "Echtheitszertifikat“ ist ein präziser Nachweis im Werkverzeichnis, die es von nahezu allen großen Künstlern gibt, in Verbindung mit einer detaillierten Rechnung. Da Werkverzeichnisse oft teuer sind, fragen Sie in Kunsthallen oder Kunstmuseen danach – dort finden sich oft gut ausgestattete Bibliotheken. Echte Expertisen und Echtheitszertifikate werden Sie aufgrund der hohen Kosten, die naturgemäß dafür anfallen, immer nur in Verbindung mit Unikaten oder extrem wertvoller Grafik finden, für die es u.U. keine Werkverzeichnisunterlagen gibt.
Wie oben bereits erwähnt: heben Sie alle Unterlagen, die Sie zum Kauf eines angeblichen Originals bewogen haben, gut auf, um auch noch in späteren Jahren rechtlich handlungsfähig zu sein - wenn sich ggf. herausstellt, dass Sie hintergangen wurden.
"Limitierte Auflage!"
"Limitierte Edition!"
Hier wird in der Regel ein positiv besetzter Begriff verwendet, um etwas zu verkaufen, das in Wahrheit die Kopie eines Originals mittels fotomechanischer Reproduktionstechnik (also ein Kunstdruck) und so "limitiert" ist wie eine Tageszeitung. Verkaufsfördernd "hübsch gemacht" durch handschriftliche Nummerierung (die suggerieren soll, der Künstler selbst habe sie vorgenommen) sowie die Verwendung von Büttenpapieren sollen hohe Preise erzielt werden, oftmals von dubiosen "Echtheitszertifikaten" oder "Expertisen" unterstützt.
Nummerierte,
jedoch nicht signierte Werke
Die (handschriftliche) Nummerierung eines Blattes ohne handschriftliche Signatur ist fast immer ein Hinweis darauf, dass Sie es mit einem Kunstdruck aus einer der o.g. "Limitierten Auflagen" zu tun haben, statt mit einer Originalgrafik. Gedruckte Signaturen und Blindprägungen mit dem Namenszug des Künstlers sollen helfen, diesen Umstand zu kaschieren.
"Autorisierter Nachdruck"

...ist eine weitere, von der "Limited Edition-Industrie" gerne genutzte Aussage, um ihrer Reproduktionsgrafik den Anschein von Originalität zu geben - und das völlig legal. Ein solches, in Massen später nachgedrucktes Blatt bleibt jedoch immer nur die Kopie eines Originals, und sei es noch so autorisiert. Zu dieser für den Laien schwer zu entwirrenden Situation haben die Künstler bzw. deren Erben selbst beigetragen: Viele der "ganz Großen" haben noch zu Lebzeiten (bzw. nach deren Tod die Erben) die Rechte zur Reproduktion von Originalen vermarktet. Zwar wurde in diesen Fällen meist das Größenverhältnis verändert - die Kopien also vergrößert oder verkleinert nachgedruckt, um Verwechslungen mit den Originalgrafiken zu verhindern. Doch geschah dies oft nicht konsequent genug, sodass den beiden Merkmalen "Darstellungsgröße" und "Blattgröße" größte Priorität zukommt, beim Abgleich mit den Angaben im Werkverzeichnis.
"vgl. Mourlot" o.ä.
...bedeutet: Es handelt sich nicht um das im Werkverzeichnis von Mourlot (oder anderen Herausgebern) beschriebene Blatt, sondern um eine Reproduktion dieses Blattes, ein ähnliches, nachgedrucktes Motiv etc. Hier versucht man, Sie durch Nennung eines bekannten, seriösen Namens und in Anlehnung an das Original in die Irre zu führen. Wird Ihnen hingegen die Reproduktion eines Originals ohne den Zusatz "vergleiche / vgl." bei der WVZ-Angabe angeboten, handelt es sich schlicht um einen Betrugsversuch.
"Wird im Passepartout geliefert"
Ein beliebtes Mittel, um Ihnen die nähere Untersuchung des meist fest im Passepartout verklebten Blattes zu erschweren, denn es würde durch die Entnahme vermutlich beschädigt. Das ist der eigentliche Zweck dieser Passepartouts: eindeutige Hinweise darauf zu kaschieren, dass es sich nicht um eine Originalgrafik handelt. 
"Dachbodenfund"
"Flohmarktkauf"
"Echter Picasso???"
...oder auch "Ich kenne mich da nicht so aus..." mit nachfolgenden, eindeutigen Hinweisen auf einen bekannten Künstlernamen sind beliebte Tricks, um Ihre Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung zu lenken - ohne eine unwahre Behauptung gemacht zu haben. So gut wie immer haben Sie es in solchen Fällen mit Fälschungen zu tun.
"Handsigniert",
jedoch nicht nummeriert
bzw. bezeichnet
Skepsis ist angesagt, wenn ein signierter Abzug nicht nummeriert ist – dann kann es sich zwar bspw. um eines der (echten) Jahresgaben-Blätter eines Kunstvereins handeln, die grundsätzlich nicht nummeriert waren bzw. sind - aber auch um eine Fälschung, die aus "gutem" Grund fast nie nummeriert sind. Vom Kauf von Werken mit sog. Gefälligkeitssignaturen ist unbedingt abzuraten, wenn sie nicht bspw. durch eine persönliche Widmung oder einen präzisen Herkunftsnachweis als echt verifiziert werden können. Kürzlich berichtete ein Taxifahrer, er habe "2 tolle Chagall-Bilder mit Original-Unterschrift zum Schnäppchenpreis bei ebay gekauft - er habe die Unterschrift vorher verglichen". Genau das tun Fälscher natürlich auch, bevor sie aus einem 50 € Kunstdruck ein "Seltenes, vom Künstler persönlich signiertes Bild im Wert von 5.000 €" machen, das sie dann schließlich für 500 € an einen leichtgläubige Menschen verkaufen.
"Lithographien"
...sind nicht automatisch Original(!)-Lithographien - ein Begriff, der ausschließlich Steindrucken zusteht. Häufig handelt es sich um spätere Reproduktionen eines Originals auf photomechanischem Weg, oftmals als "Grano-Lithographie, Chromo-Lithographie, Offset-Lithographie, Photo-Lithographie oder "Lithographischer Abzug " bezeichnet. Unseriöse Anbieter verwenden dennoch gerne das wichtige Wörtchen "Original", dann aber meist an anderer Stelle oder so zweideutig, dass ihnen Betrugsabsicht nur schwer nachzuweisen ist. Lassen Sie sich in solchen Fällen schriftlich geben, dass es sich um eine Original-Lithographie von(!) dem betreffenden Künstler handelt! Geben Sie sich auch nicht mit Bezeichnungen wie "Originaler Druck", "Antiquarische Rarität", "Streng limitiert" o.ä. zufrieden - denn natürlich ist auch ein Kunstdruck oder gar eine Fälschung ein tatsächlich gedrucktes Stück Papier.
"Lichtdrucke"
"Giclées"
"Heliogravüren"
"Schablonendrucke"
"Zinkätzungen"
"Faksimiles"
"Quadrichromien"
...mit und ohne "Original" sind nur einige Bezeichnungen, die stets eine Reproduktionstechnik be- oder umschreiben. Hier handelt es sich in aller Regel nicht um Originalgrafik, von wenigen Ausnahmen abgesehen (s.o. Stichwort "Horst Antes").



[1] Marcolli/Wiedemann: Distinction of Original and Forged Lithographs by Means of Thermogravimetry and Raman Spectroscopy, Journal of Thermal Analysis and Calorimetry, 2001, Nr. 3, S. 987-1000

* Zur Definition des Begriffes "Originalgrafik" gibt es umfangreiche Literatur. Als Standardwerk gilt nach wie vor das Buch von Walter Koschatzky: "Die Kunst der Graphik". 13. Auflage. dtv - Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1975, ISBN 3423307420

Empfehlenswert für die schnelle Information sind auch die Ausführungen bei wikipedia (Bspw. "Originalgrafik" oder "Lithografie" in die Suche eingeben). Dort ist in gut verständlichen Worten der Unterschied zwischen "Original und Reproduktion" bei Druckgraphik erklärt und das Wesentliche zu den gängigen Drucktechniken zu finden.



©Artistshome e.K. Kunsthandlung für Originalgrafik
Inh.: Christine Blenner, Sachverständige für Europäische Druckgrafik nach 1945, Mitglied im Deutschen Gutachter- und Sachverständigen Verband (DGSV e.V.)

 

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